Gedächtnisausstellung Günter Schwannecke in Köln

Ausstellung "Kunst im Kloster", April-Mai 2017, Köln

Ausstellung „Kunst im Kloster“, April-Mai 2017, Köln

Vom 29. April bis 28. Mai 2017 fand in Köln eine Ausstellung des Dominikanerklosters Heilig Kreuz in mit Werken Günter Schwanneckes und Rainer Plums statt.

Auf dem Foto ist zentral Walter Vitt zu sehen, wie er eine Rede zur Eröfffnung einer Ausstellung mit einer Kunstwerken von Rainer Plum und Günter Schwannecke hält. Im Vordergrund sind die Rücken der Gästinnen und Gäste der Ausstellung zu sehen. Im Hintergrund hängen Kunstgemälde.

Eröffnungsrede von Walter Vitt am 29. April 2017 im Dominikanerkloster Heilig Kreuz in Köln. Archiv Walter Vitt

Die Ausstellung des Kurators Walter Vitt in der Reihe Kunst im Kloster zeigte eine Laserinstallation, Skulpturen und Zeichnungen von Rainer Plum und Günter Schwannecke. Die Ausstellung erinnerte an die Tötung Schwanneckes durch zwei Neonazis in Berlin, der sich am 29. August 2017 zum 25. Mal jährte.

Bei der Eröffnung am 29. April hielt Walter Vitt eine Einführungsrede. Er ist ein Weggefährte Schwanneckes. Seine Eröffnungsrede haben wir in voller Länge dokumentiert. Er erinnerte in seiner Rede an den Kunstmaler Günter Schwannecke:

Günter Schwannecke: Illustration zu „Der Armut allerhöchstes Gut ist Liebe“ (Thomas Rother) im Semesterspiegel, Münster. Copyright 2014 Nachlass Schwannecke im Archiv Vitt. Fotos Christian Vitt. Überlassen von Thomas Rother.

Abb. 1: „Der Armut allerhöchstes Gut ist Liebe“. Schwannecke hat die Lyrik des Autors Thomas Rother mit seinen gefühlvollen informellen Zeichnungen begleitet. Beides sollte zusammen stehen bleiben: neue Kunst und neue Poesie vereint. Erschienen im Jahre 1961 im Juni-Heft des Semesterspiegels, der Studentenzeitung an der Universität Münster, deren Chefredakteur Walter Vitt damals gewesen ist. Der in Essen lebende Thomas Rother überlässt der Gedenkseite für Günter das Copyright für seine Gedichte. Copyright 2014 Nachlass Schwannecke im Archiv Vitt. Fotos Christian Vitt.

Und jetzt zu Günter Schwannecke, zu einem Maler, der mir in den 1950er und 1960er Jahren als großes Talent erschien. Ich hatte ihn damals in unserer gemeinsamen Heimatstadt Braunschweig persönlich kennen gelernt, ich war noch Student in Münster, er hatte sein Kunststudium in Stuttgart abgeschlossen, lebte jetzt wieder in Braunschweig, aber auch in Paris, dann gerne auf Ischia, wohin sich einige deutsche Maler während der Nazijahre zurückgezogen hatten, danach in München, wo seine Frau in der Oper als Ballett-Tänzerin engagiert war, aber auch in Berlin. Er malte abstrakt, doch war er auch als realistischer Zeichner ein außergewöhnliches Talent. Beide dieser Talente des Künstlers nutzte ich für die Studentenzeitung „Semesterspiegel“ in Münster, die ich damals redigieren durfte. Ich stellte ihn auch in Münster aus, in der berühmten münsterschen Studentenkneipe „Cavete Münster“ (zu deutsch: Hütet Euch vor Münster). Ich erwarb einige frühe Bilder von ihm, die Sie heute in dieser Ausstellung sehen können.

Günter Schwannecke: ohne Titel (Obststillleben). Öl/Pressholz, 85 x 50 cm, rückseitig signiert. G.S.. 56 - Copyright 2014 Nachlass Schwannecke im Archiv Walter Vitt. Fotos Christian Vitt

Abb. 2 rechts: Günter Schwannecke: ohne Titel (Obststillleben). Öl/Pressholz, 85 x 50 cm, rückseitig signiert. G.S.. 56
Das Obststillleben von 1956 ist vom Motiv her noch zu erkennen, doch befindet sich Schwanneckes Realismus schon in Auflösung. Er hat auf der Akademie gelernt, wie man traditionelle Stillleben malt – jetzt aber will er aus der akademischen Normalität und Banalität raus, um ihn herum gibt es längst die vollabstrakte Farbmalerei, viele avantgardistische Künstler – nach dem 2. Weltkrieg – wenden sich gegen realistisches Malen, nach den Katastrophen des Krieges ist das im eigenen Kopf gestaute emotionale Durcheinander die einzig verlässliche Größe, auf die sie sich beziehen mögen. So entstand die informelle Malerei. Sie holten sie aus dem eigenen Kopf, nicht aus dem Alltag. Noch ist unser Künstler nicht so weit, aber er beginnt, die Formen aufzulösen, der Pinselduktus wird grobschlächtig, fahrig. Farbe ist wichtiger als exakte Formdarstellung. Noch hat er keinen Mut zur vollen farbigen Abstraktion. Es ist sein Weg dahin. Er nimmt dem Stillleben seinen Innen-Raum, in dem es nach alter Malweise perspektivisch eingebettet gehört. Deshalb verschwinden die Seitenwände. Er wählt eine vertikales Hochformat. Oben Fenster nach draußen, dann Stillleben (Obst, Pflanzen im eckigen Blumentopf – alles sozusagen freischwebend „geordnet“) und Tisch werden zwar immer noch übereinander geordnet, aber ganz in die Fläche gebannt. Die blaue Gardine windet sich im Bild diagonal von oben rechts nach unten links als farblicher Zusammenhalt. – Copyright 2014 Nachlass Schwannecke im Archiv Walter Vitt. Fotos Christian Vitt

Walter Vitt machte deutlich, dass die Künstler Robert Plum und Günter Schwannecke, verschiedenen Generationen und Stilrichtungen angehörten. „Die informelle Abstraktion Schwanneckes und die abstrakten Zeichnungen von Rainer Plum entfernen sich von der Wiedergabe der Wirklichkeit, behaupten vielmehr eine eigene Bild-Wirklichkeit – aber aus unterschiedlichen Beweggründen. Schwannecke malte in den 1950er Jahren unter  dem Eindruck der Zerstörungen des 2. Weltkrieges und verließ sich ausschließlich auf sein eigenes Unterbewusstsein. Plum hält seine Abstraktionen für eine höchst brauchbare Form künstlerischen Ausdrucks. Seine bildmittig angelegten rätselhaften Knäuel  verlassen sich ganz auf die Linie und deren seltsamen Verläufe – bis hin zu ‚einem Zustand des Schwebens‘ (Plum)“, hieß es in der Ankündigung.

Günter Schwannecke: ohne Titel (Informelle Komposition). Öl/Holz, 31,5 x 90 cm, rückseitig signiert: Günter Schwannecke 1962, 8 München 13. - Copyright 2014 Nachlass Schwannecke im Archiv Walter Vitt. Fotos Christian Vitt.

Abb. 3: Günter Schwannecke: ohne Titel (Informelle Komposition). Öl/Holz, 31,5 x 90 cm, rückseitig signiert: Günter Schwannecke 1962, 8 München 13. Dort auch Widmung: Für Luiza und Walter nachträglich von Herzen
Mit diesem 1962 entstandenen Bild hat Schwannecke die „wildeste“ Form seiner informellen Phase erreicht. Es ist nur noch Farbe zu sehen, nur sie ist gemeint, nichts anderes. Die Farbe hat sich von ihrer dienenden Rolle als Einfärbung von gemalten Gegenständen befreit. Viele Farben „ringen“ miteinander, Blau beherrscht die Szene. – Copyright 2014 Nachlass Schwannecke im Archiv Walter Vitt. Fotos Christian Vitt.

In der Ausstellung waren Werke Günter Schwanneckes ausgestellt aus dem Archiv Walter Vitt.

Darunter war eine Lyrikillustration zum Gedicht „Der Anmut allerhöchstes Glück ist Liebe“ (Thomas Rother) aus dem Jahr 1961, die in der Münsteraner Studierendenzeitung „Semesterspiegel“ erschienen war (Abb.1, rechts).

Ein Obststillleben, Öl auf Pressholz, stammt aus dem Jahr 1956. Es entstand zum Ende seiner realistischen Phase und ist bereits durch den Informelstil geprägt (Abb. 2, links).

Ein weitere Gemälde Schwanneckes, das in Köln ausgestellt war, ist eine informelle Komposition aus dem Jahr 1962, Öl auf Holz (Abb. 3, rechts)

Die grau unterlegten Beschreibungen unter den Gemäldefotografien (Abb. 1, Abb. 2, Abb. 3) stammen von Walter Vitt. Die Fotografien der Gemälder stammen von Christian Vitt.

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