Gedenkkundgebung für Günter Schwannecke

29. August 2012
19:00bis20:00

29. August 2012, 19:00 Uhr
Pestalozzistraße / Ecke Fritschestraße (Stadtplan ansehen)
Berlin-Charlottenburg

erreichbar: S Charlottenburg, U Sophie-Charlotte-Platz, U Wilmersdorfer Straße

Niemand ist vergessen! Günter Schwannecke als Nazi-Opfer anerkennen!

Günter Schwannecke wurde 1992 in Berlin-Charlottenburg von einem Neonazi erschlagen. Wir gedenken seiner.

Die Günter-Schwannecke-Gedenkinitiative wird anlässlich des 20. Jahrestags des rassistisch motivierten Angriffs, dem 29. August 2012, eine Kundgebung veranstalten und am Ort des Geschehens, dem Spiel- und Sportplatz an der Pestalozzistraße/Fritschestraße, eine provisorische Informationstafel anbringen.
Weitere Vorhaben der Gedenkinitiative sind: diesen Platz nach Günter Schwannecke zu benennen; zu Günter Schwannecke und den genauen Umständen seines Todes zu recherchieren; den Fall aufzuarbeiten und politisch einzuordnen; öffentlich zu informieren und für die dauerhafte staatliche Anerkennung Günter Schwanneckes als Todesopfer rechter Gewalt zu kämpfen.

Günter Schwannecke war ein bekannter und für gesellschaftliche Veränderung engagierter Kunstmaler. Im Jahr 1992 war er zeitweise ohne festen Wohnsitz und saß mit dem Künstler Hagen Knuth am Abend des 29. Augusts an dem Spielplatz. Die Skinheads und Neonazis Norman Zühlke und Hendrik Jähn kamen hinzu, um Menschen mit Migrationsgeschichte rassistisch zu beleidigen und von dort zu vertreiben. Günter Schwannecke und Hagen Knuth, selbst gesellschaftlich Ausgegrenzte, bewiesen Zivilcourage und mischten sich ein. Nach der erfolgreichen Flucht der ursprünglichen Opfer schlug Zühlke mit einem Baseballschläger auf die beiden ein. Hagen Knuth überlebte, doch Günter Schwannecke starb am 5. September 1992 an den Folgen von Schädelbruch und Hirnblutungen. Er musste sterben, weil er Zivilcourage gezeigt hatte. Umso erschreckender ist, dass Günter Schwannecke ein weitgehend unbeachtetes Opfer rechter Gewalt geblieben ist.

Die menschenverachtende, rassistische Gesinnung des Täters Zühlke ist die Ursache der Tat. Er wurde 1993 zu nur 6 Jahren Haftstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. In seinem neonazistischen Umfeld waren Hass und Gewalt gegen Wohnungslose, Menschen mit Migrationsgeschichte und Andersdenkende fest verankert. Zühlke war u.a. in einer Berliner Sektion des Ku-Klux-Klan aktiv. Mehrere seiner Freunde waren Neonazikader und wurden als skrupellose Gewalttäter bekannt.

Günter Schwannecke ist eines der mindestens 182 Opfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990. Nur fünf Tage vor dem Überfall auf ihn hatte in Rostock-Lichtenhagen ein mehrtägiges Pogrom gegen Flüchtlinge und Vertragsarbeiter_innen stattgefunden. In Deutschland herrschte eine nationalistische, rassistische Stimmung vor. Nur in diesem Zusammenhang kann die Tat Zühlkes und Jähns verstanden werden.

Wir treten dafür ein, dass die Bundesregierung und der Berliner Senat Günter Schwannecke dauerhaft als Todesopfer rechter Gewalt anerkennen. Wir kämpfen entschieden gegen Sozialchauvinismus, Rassismus, Antiziganismus, Antisemitismus, Homophobie, Sexismus und Neonazismus! In Erinnerung an Günter Schwannecke! Kein Vergeben! Kein Vergessen!

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